Pflanzenwissen

Efeu – Giftpflanze und Hilfsmittel für die Atemwege

Posted on Updated on

Efeu – Giftpflanze und Hilfsmittel für die Atemwege
Efeu – Giftpflanze und Hilfsmittel für die Atemwege

Efeu findet sich fast überall. Man sieht es in Gärten, an Mauern und teilweise nimmt es als Platz ganze Häuserfassaden ein. Von manchem Gärtner geschätzt, von einigen gehasst, hat Efeu aber noch eine ganze Menge mehr zu bieten, nämlich in medizinischer Hinsicht. Vor allem für die Atemwege hat Efeu erstaunlich wirkende Inhaltsstoffe.

In früheren Zeiten war die Wirkung des Efeus deutlich bekannter als heute. Insbesondere bei Problemen mit den Bronchien griff man gern und oft zum Efeu. Die bewährten Rezepturen der Medizin, die aus dem Efeu gewonnen wurden, überdauerten die Generationen und spielen auch heute noch eine tragende Rolle.

In der modernen Schulmedizin kennt man die Wirkungsweisen des Efeus natürlich ganz genau, da man alle Inhaltsstoffe und deren Wirkung bestimmen konnte. So weiß man, das vor allem die Blätter wirksame Stoffe beinhalten, die Saponine (abgeleitet vom italienischen „sapo“ für Seife). Und wie man es bei Seife erwartet, so schäumen auch die Saponine, wenn man sie mit Wasser zusammenbringt. Diese Saponine sind es dann auch, die in den Bronchien zähen Schleim verdünnen oder gar verflüssigen. Abhusten fällt leichter, ebenso ein kräftiges Durchatmen. Regelmäßig verwendet, verschwindet der Hustenreiz, die Bronchien entspannen sich, chronische Entzündungen gehen zurück. Die Saponine bewirken zudem, dass Viren und Bakterien sich nur schwer oder gar nicht vermehren können.

Die Herstellung entsprechender Medikamente aus Efeu ist nicht ganz so einfach, wie man vermuten mag. Zunächst müssen die geernteten Blätter gewaschen und getrocknet werden, anschließend werden sie in einem Gemisch aus Alkohol und Wasser gespült. Auf diese Weise lassen sich die gewünschten Inhaltsstoffe aus den Blättern lösen. Der entstandenen Lösung wird im nächsten Schritt der Alkohol wieder entzogen. Nach Trocknung bleibt als Ergebnis ein trockenes Extrakt zurück, das dann als Basis für die Herstellung von Säften oder Tabletten dient.

ACHTUNG: Trotz der guten Inhaltsstoffe ist Efeu eine giftige Pflanze! Schon der Verzehr von kleinsten Mengen der Pflanze (ganz gleich, welcher Pflanzenteil) kann Durchfall und Krämpfe verursachen. Selbst Hautkontakt kann ungünstig sein und mitunter schwere Ausschläge verursachen. Wer in seinem Garten Efeu bearbeitet, sollte daher immer Handschuhe tragen.

-Daniel Deppe-

Minustemperatur macht sie süß – die Schlehe

Posted on Updated on

Im Frühling ist sie eine echte Augenweide, im Herbst liefert sie tiefblaue Beeren. Die vorwiegend an Weg- und Feldrändern wachsende Schlehe ist seit jeher im gesamten deutschen Sprachraum bekannt und erfährt seit einigen Jahren ein regelrechtes Comeback. Ob Blüte oder Beere – dem circa drei Meter hohen Dornbusch, der auch Schwarzdorn oder Schlehdorn genannt wird, werden heilende Kräfte zugeschrieben. Zugegeben: Diese verdient man sich auch, denn die Ernte der kleinen weißen Blüten oder der Schlehenbeere ist aufgrund der langen und harten Dornen im wahrsten Sinne „aufreibend“.

Minustemperatur macht sie süß – die Schlehe
Minustemperatur macht sie süß – die Schlehe

Sauer macht lustig

Der lateinische Name der Schlehe, Prunus spinosa, verrät dem Lateiner die enge Verwandtschaft mit der Pflaume. Aber auch die, die des Lateinischen nicht mächtig sind, erkennen die enge Beziehung zwischen Zwetschge und der Schlehe. Früchte und Blattwerk scheinen eine Miniaturausgabe des beliebten Steinobstes zu sein. Allerdings machte der Geschmack der Schlehenfrüchte, die roh gegessen sehr sauer schmecken, die Früchte eher unpopulär. Dabei vergaß man allerdings, dass in den Beeren Unmengen an wichtigem Vitamin-C sowie Gerbstoffen enthalten sind. Diese Kombination unterstützt nicht nur den Kampf des Immunsystems gegen Krankheiten, sondern stärkt zudem noch Venen und somit den Kreislauf. Übrigens: Erntet man die tiefblauen Schlehen nach dem ersten Nachtfrost, haben die Minusgrade den säuerlich-bitteren Geschmack weitestgehend neutralisiert.

Bei Zahnfleischbluten: Schlehen kauen

Getrocknet und lange gekaut bieten Schlehenbeeren ein wirksames und völlig biologisches Mittel bei Zahnfleischbluten. Jedoch bieten nicht nur die reifen Beeren, die man im Herbst ernten kann, sinnvolle Alternativen zu Medikamenten, sondern auch die Blüten, die bereits gegen Ende März aus den kahlen Ästen des Busches sprießen. Diese sind seit dem frühen Mittelalter als mildes Abführmittel, das sich besonders für Kinder eignet, bekannt. Dazu sammelt man frische Blüten und kocht daraus einen milden Tee. Dieser wirkt dann nicht nur verdauungsregulierend, sondern auch harntreibend und entschlackend.

Beispiel Konfitüre: Im Herbst geht’s los!

Besonders beliebt ist die Schlehen- oder Schwarzdornmarmelade. Dazu erntet man die Früchte frühestens nach dem ersten Frost. Dieser erhöht den Zuckergehalt, neutralisiert Bitterstoffe und sorgt dafür, dass das Fruchtfleisch weicher wird. Somit schmecken die Beeren nicht nur besser, sondern sind auch einfacher zu verarbeiten. Die gesammelten Früchte kocht man in wenig Wasser weich und streicht sie, weil sie relativ große Kerne haben, durch ein Haushaltssieb. Das gewonnene Fruchtmus wird nun entweder pur im Verhältnis 1:1 mit Gelierzucker zu Konfitüre weiterverarbeitet, oder zusammen mit anderen Früchten angesetzt. Das mildert den säuerlichen Geschmack erheblich. Hierbei ist allerdings auf die Einhaltung des Mischungsverhältnisses, das sich nicht ändert, zu achten. So erhält man einen außergewöhnlichen Brotaufstrich oder einen empfehlenswerten Ersatz zu Preisselbeer-Konfitüre bei Wildfleischgerichten.

Uriger Vorfahre der Pflaume

Die Schlehe, die als Urform der Pflaume, beziehungsweise Zwetschge gilt, ist aufgrund der mühseligen Ernte eine eher extravagante Basis für Konfitüren, Säfte und Tees. Dennoch belohnt sie die Mühen mit ihrem säuerlich-frischen Geschmack und ihren äußerst gesunden Inhaltsstoffen, die nicht grippalen Infekten den Garaus machen, sondern auch entschlackend wirken und die Blutgefäße stärken. Wer sich also im Spätherbst traut, wird aufgrund ihrer Vorzüge Dornen und nasskaltes Wetter gerne in Kauf nehmen!

Heilend und giftig zugleich: das Maiglöckchen

Posted on Updated on

Heilend und giftig zugleich: das Maiglöckchen
Heilend und giftig zugleich: das Maiglöckchen

Einst war es der Bote der frühlingshaften Vegetationskraft und Symbol der Heiligenkunst im Mittelalter. Die Rede ist vom Maiglöckchen, um das sich so einige Mythen ranken, das viele von alten Heiligenbildchen aus der Kirche kennen und das eigentlich eine giftige Pflanze ist. Aber wie so oft: Die Dosis macht das Gift und bei entsprechendem Umgang wird aus dem Maiglöckchen sehr wirksame Medizin, die auch die alten Griechen schon zu nutzen wussten. Ihr Saft aus dem „Schneetropfen“ wirkte hervorragend gegen Schwindel, Epilepsie, Ohnmacht und Herzbeschwerden.
Aufgrund der früheren sakralen Bedeutung kennt man das Maiglöckchen auch unter den Bezeichnungen Marienglöckchen, Maienlilie, Mairöschen, Maischelle oder Augenkraut.

Maiglöckchenextrakt gegen Herzprobleme

Rein medizinisch gesehen ist das Maiglöckchen eine durchaus nützliche Pflanze, denn sie enthält Glykoside, die das Herz bei Herzschwäche merklich unterstützen können. Die gleichen Stoffe sorgen dafür, dass Herzrhythmusstörungen verschwinden und sich kein Wasser in der Lunge ansammeln kann.
Man nutzt den Extrakt des Maiglöckchens heute in verschiedenen leichteren Präparaten zur Behandlung von Herzinsuffizienz oder bei Überempfindlichkeit gegen Digitalis-Produkte. Die Glykoside des Maiglöckchens wirken sehr rasch und verlassen anschließend den Körper ohne weitere Ansammlung ebenso schnell wieder.
In alter Kräuterkunde spielt das Maiglöckchen ebenfalls eine wichtige Rolle. Damals wurde es vor allem gegen Schwindel, Fallsucht und bei Augenleiden verwendet. Auch bei Ohnmacht, Sprachverlust, Gicht, Entzündungen und Geschwüren wurde gern zum Extrakt des Maiglöckchens gegriffen.
Zeitweise galt das Maiglöckchen sogar als Wunder- oder Allheilmittel, da man damit bedingt auch gegen niedrigen Blutdruck, Asthma, Verstopfung, Hysterie, Nervenschwäche, Parkinson, Epilepsie und Schlaganfall vorgehen konnte.

Maiglöckchen ist trotzdem eine Giftpflanze!

Es sind die Cardenolid-Glykoside, die das Maiglöckchen zur Giftpflanze machen. Die vor allem den Verdauungstrakt reizenden Stoffe finden sich vorwiegend in den Blüten und Blättern der Pflanze. Vor allem die Blätter sind tückisch, da sie denen des genießbaren Bärlauchs sehr ähnlich sehen. In größeren Mengen besteht durchaus Gefahr für die Gesundheit, eine schwere Vergiftung ist aber eher selten die Folge.
Vorsicht bei Kindern: Sie finden die roten Früchte des Maiglöckchens oft faszinierend und pflücken und naschen gern ungeniert drauf los. Hier besteht echte Gefahr. Gefährlich ist übrigens auch schon das Blumenwasser, in dem Maiglöckchen gestanden haben!
Eine Vergiftung durch Maiglöckchen erkennt man unter anderem an Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Sehstörungen und Schwindel. Besonders starke Vergiftungen können auch Herzrhythmusstörungen nach sich ziehen.

Daniel Deppe

Von wegen Unkraut: Die Brennnessel

Posted on Updated on

Wer kennt sie nicht, die Brennnessel? Es hat sich sicher jeder schon einmal daran verbrannt. Sie wächst überall am Wegesrand. Die meisten betrachten sie als Unkraut, dabei sagt man ihr viele Kräfte nach.

Von wegen Unkraut: Die Brennnessel
Von wegen Unkraut: Die Brennnessel

Brennnessel als Medizin

Brennnesseln wurden schon in alter Zeit als Heilpflanze verwendet. Man setzte sie ein bei Blasenentzündungen, Rheuma oder auch Prostataproblemen. Auch der römische Dichter Catull besang schon die Brennnessel als Mittel gegen Erkältungen.
Medizinisch werden alle Teile der Brennnessel eingesetzt. Man benutzt die Aufgüsse und Tees zur Entwässerung. Dies liegt am hohen Mineralstoffgehalt der Pflanze. Daher kann man sie auch bei allen Erkrankungen der Blase, der Nieren und der Harnwege einsetzen. Aber auch bei Rheuma findet die Brennnessel ihre Anwendung. Hier kann man Brennnesselextrakte in der Apotheke erhalten oder auch selbst herstellen. Langfristig spricht man der Brennnessel eine lindernde Wirkung zu. Bei Prostataproblemen sollte man auf Fertigarzneimittel aus Brennnessel zurückgreifen, da diese einen definierten Wirkstoffgehalt besitzen.

Einen gesunden Brennnesseltee aufbrühen

Einen Brennnesseltee, der ja wie beschrieben zur Linderung vieler Beschwerden dient, bereitet man zu, indem man einige Teelöffel getrocknete Brennnessel mit heißem Wasser übergießt und 10 Minuten ziehen lässt. Anschließend wird der Tee gesiebt und daraufhin noch möglichst heiß getrunken. Da diese Zubereitung eine stark entwässernde Wirkung hat, sollte man nicht vergessen, genug zu trinken.

Auch im Garten ausgesprochen nützlich

Man kann die Brennnessel übrigens auch im Garten einsetzen: Ein kalter Sud aus Brennnessel oder die Brennnesseljauche sind ein hervorragendes Schädlingsbekämpfungsmittel. Wie man sieht, ist die Brennnessel ein sehr vielseitiges Gewächs, welches seinen Makel, ein Unkraut zu sein, zu Unrecht trägt. Dieser rührt übrigens leidlich aus ihrer Wehrhaftigkeit. An der Oberseite der Blätter befinden sich feine Haare, die bei einer Berührung abbrechen und äußerst schmerzhafte Verbrennungen hervorrufen. Diese sind aber völlig ungefährlich und eigentlich nur schmerzhaft. Im Gegenteil, diese Verbrennung sollen vor Rheuma schützen, so der Volksmund. Am besten überzeugt man sich einmal selbst von der Vielseitigkeit der Pflanze. Nur direkt vom Wegesrand sollte man sie nicht pflücken, sie ist dafür bekannt, Umweltgifte aufzunehmen.

Fazit

Wer hätte es geglaubt? Ein vermeintliches Unkraut entpuppt sich als wahre „Wunderpflanze“ mit jeder Menge nützlicher Eigenschaften. Daher sollte man sie, wenn sie wieder einmal im Garten auftaucht, nicht gleich entsorgen, sondern sich die vielen Möglichkeiten der Pflanze selbst zu Nutze machen.