Röhrkohl – Ein norddeutsches Traditionsgemüse

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Er ähnelt äußerlich ein wenig dem Schnittlauch, wird aber gestochen wie Spargel, und trägt als grasartige Pflanze eigentlich einen absolut irreführenden Namen: der Röhrkohl. Und das sind nicht die einzigen interessanten Ungereimtheiten, die auf dieses außergewöhnliche Gemüse neugierig machen. Wo man in Deutschland Röhrkohl essen kann, und warum das immer eine (nicht nur lukullische) Reise wert ist, soll jetzt verraten werden.

Röhrkohl - Ein norddeutsches Traditionsgemüse

Ein kulinarisches Kind der Salzwiesen

Für Botaniker ist es der Strand-Dreizack: eine Art Gras aus der Familie der Dreizackgewächse (Juncaginaceae). Doch für die Menschen, die am norddeutschen Wattenmeer zuhause sind, ist es der Röhrkohl. Und es ist das verbriefte und nicht übertragbare Privileg der naturverbundenen Einheimischen, den Röhrkohl in einem fünfwöchigen Zeitraum zwischen Mai und Juni im Außendeichgebiet in den landschaftlich einmaligen Salzwiesen zu ernten. Nach dieser Periode werden die Stängel so hart und der Geschmack so bitter, dass sich aus dieser bemerkenswerten Pflanze kein schmackhaftes Gericht mehr zubereiten ließe. Doch warum darf außer den Ortsansässigen ausdrücklich niemand dem Röhrkohl zu Leibe rücken? Ganz einfach: Weil nur jene Menschen, die am Wattenmeer leben und dort aufgewachsen sind, sich in den unter Schutz stehenden Salzwiesen so rücksichtsvoll zu bewegen wissen, dass die brütenden Vögel nicht gestört werden.

Rezept für Röhrkohl

Das Wattenmeer ist eine einzigartige Landschaft, die zu bereisen sich immer lohnt. Viele Menschen verlieben sich für den Rest ihres Lebens in dieses natürliche Gefüge der Gezeiten und kommen immer wieder zu Besuch, um bei Ebbe trockenen Fußes auf dem Meeresgrund spazieren gehen zu können. Und wenn man schon mal dort ist, sollte man sich auch an diesem einfach nachzukochenden Röhrkohl-Rezept versuchen:

    Zutatenliste:
  • Röhrkohl
  • durchwachsener Räucherspeck
  • Butter
  • Salz und Pfeffer
  • Soßenbinder und Sättigungsbeilagen nach Wahl

Der gut gewaschene Röhrkohl wird in kurze Stücke geschnitten. Je nach Gemüsemenge und Geschmack wird dann Räucherspeck in angemessener Menge gewürfelt. Röhrkohl und Räucherspeck werden dann zusammen zu einer Art Eintopf verarbeitet, der mit Mehl, Milch oder auch Haferflocken angedickt werden kann. Wer es den Norddeutschen gleich tun will, genießt das deftige Röhrkohlgemüse mit einfachem Quark. Wem das allerdings dann doch zu friesisch ist, der darf sich auch gerne Pellkartoffeln als Beilage schmecken lassen.

Carina Collany

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